Der portugiesische Goldstandard

In den Zeiten von Krisen steigt die Nachfrage und der Handel mit Edelmetallen. Dies ist erfahrungsgemäß bei allen größeren wirtschaftlichen und politischen Einbrüchen der letzten tausend Jahre der Fall gewesen und lässt sich derzeit auch in Portugal beobachten.

Hintergrund ist natürlich, dass die Besitzenden ihre Mittel aus vermeintlich unsicheren Geschäften abziehen und in relativ sichere, transportable und auch leicht zu versteckende Wertobjekte anlegen. Die Verlierer der Krise hingegen veräußern umgekehrt den in den besseren Jahren angesparten Wohlstand, um den Lebensunterhalt weiter finanzieren zu können. Aktuell kann man diese Entwicklung gerade sehr deutlich in Portugal beobachten.

Hohe Kurse sorgen für massenhafte Verkäufe

Im Jahr 2011 erreichte der Goldkurs einen neuen Höchststand von knapp unter 2.000 US-Dollar je Unze. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt war damals in den letzten fünf Jahren von ungefähr 3.000 Tonnen um mehr als 50 % auf über 4.500 Tonnen gestiegen und mit ihr auch der Preis für Gold.

Es war auch das Jahr, in dem sich die Auswirkungen der Eurokrise in Portugal massiv zeigten und so verkauften viele der Einwohner – angelockt durch die hohen Preise oder aus purer Not – ihre Wertmetalle. Besonders Eheringe und Schmuck wurden intensiv gehandelt, was zu einem wahren Boom der Aufkäufer führte. Deren Zahl stieg innerhalb des Jahres um fast 30 %, im ersten Quartal eröffneten sogar statistisch gesehen jeden Tag zwei neue Geschäfte, in denen Gold gegen schnelles Bargeld verkauft werden konnte.

Das Blatt wendet sich

Allerdings sind die Preise seitdem wieder gefallen, zuletzt auf ungefähr 1.600 US-Dollar pro Feinunze. Der Anreiz zum Verkaufen sinkt damit ähnlich rapide ab und ein weiterer entscheidender Faktor spielt ebenfalls eine Rolle: Die Portugiesen haben schlicht und ergreifend nichts mehr, was sich noch für den Verkauf lohnen würde. Die angestammten Juweliere der Innenstadt von Lissabon bestätigen, dass nur noch die wenigsten ihrer Kunden Eheringe und wertvollen Schmuck besäßen, da der überwiegende Teil bereits verkauft worden sei. Gleichzeitig mit dem Schmuck verschwinden auch die Läden der Goldhändler wieder – sie gehen pleite oder schließen das Geschäft mangels Umsatz.

Situation in Deutschland

Ganz anders sieht es hierzulande ein. Die Deutschen kaufen auch dieses Jahr wieder Rekordmengen an Gold, während der Verkauf stetig zurückgeht. Hintergrund ist jedoch weniger der Mangel an Schmuck, sondern der niedrige Preis und das Horten von Edelmetallen aus Sicherheitsgründen.

Bildquelle: Flickr.com by tiseb

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