Goldpreis 2012 – Chancen und Risiken

Gold hat Ende August 2012 zu neuen Höhenflügen angesetzt und bestätigt damit einen Trend, der auch für andere Edel- und Industriemetalle auszumachen ist: Die Kurse steigen und könnten zu neuen Höhenflügen ansetzen. Beim Gold verwundert das nicht unbedingt, denn die Eurokrise und eine allgemeine Unsicherheit hinsichtlich der globalen Wirtschaftsentwicklung lässt die Anleger wie schon so oft in das sichere gelbe Metall flüchten.

Deutschland wurde von der Krise zwar bislang verschont, anderswo ist sie jedoch in vollem Gange. Zwangsläufig greifen große Investoren und kleine Privatanleger nach dem Gold in allen möglichen Anlageformen und treiben damit den Preis.

Spekulation auf Krisenherbst

Experten interpretieren den jüngsten Preisanstieg beim Gold als Reaktion auf einen Euro-Krisenherbst. Zu groß sind die Unsicherheiten in der Euro-Zone, als dass in Aktien und Anleihen des riesigen Euro-Wirtschaftsraumes wie gehabt investiert würde. Also suchen die Anleger sichere Werte, als am sichersten gilt traditionell das Gold. Der tatsächliche Bedarf an Gold kann zwar kaum so sehr wachsen wie beispielsweise der an Silber, das immerhin als Industriemetall einem starken Verbrauch unterliegt (Anteil des industriellen Verbrauchs an der Silberproduktion rund 40 Prozent, bei Gold sind es etwa sieben bis acht Prozent). Doch das bedeutet auch, dass Silber in einer Rezession, also bei sinkender Industrieproduktion, weniger stark gebraucht wird und im Preis sogar sinken kann, während als Anlagewert in solchen Phasen das Gold seit Jahrhunderten als sicherer Hafen gilt. Die Gemengelage ist allerdings wie so oft komplex, neben Hoffnungen und Ängsten von Investoren beeinflussen auch Kosten der Goldproduktion den Preis – ablesbar an den Minenaktien – und last, not least das Gesamtbild des Goldcharts, der immerhin im Herbst 2011 ein Jahrtausendhoch markierte: Lediglich vor der Entdeckung Amerikas und des südamerikanischen Goldes Ende des 15. Jahrhunderts war Gold schon einmal so teuer gewesen wie zu Beginn des dritten Jahrtausends. Daher blicken Fachleute und Finanzmanager gebannt auf die 2.000-Dollar-Marke für eine Feinunze Gold. Diese zu überschreiten wäre ein historischer Schritt. Doch nachdem Gold 2011 über 1.900 Dollar gestanden hatte, kann es vom gegenwärtigen Stand (1.677 Dollar am 27.08.2012) bis auf 1.900 noch einmal in Seelenruhe steigen. Das wäre auch charttechnisch völlig in Ordnung.

Mehrere Faktoren werden diesen Anstieg unterstützen oder verhindern:

  • die Entwicklung im Euro-Raum hin zu einer handfesten Krise oder vielmehr zu einer Beruhigung der Märkte, wobei die Krise den Goldpreis explodieren ließe
  • die Förderkosten für Gold, die sich in den letzten Jahren exorbitant erhöht hatten, wobei immer wieder neue Fields erschlossen werden
  • mehr oder weniger rationale Annahmen der Investoren über das „Jahrtausendhoch“ bei 2.000 Dollar pro Feinunze
  • das Währungsverhältnis Euro/US-Dollar beeinflusst den Goldpreis, nämlich den Zuspruch nach Goldanlagen im Euro-Raum

Finanzexperten der Commerzbank schätzten am Montag, dem 27.08.2012 ein, dass die Spekulation auf steigende Edelmetallpreise gerade erst richtig begonnen habe. Beim Gold gab es einen Anstieg der Wetten auf Call-Optionen (= steigende Kurse) um 37 Prozent und damit ein Vier-Monats-Hoch adäquat zum Goldpreisanstieg. Viele Anleger rechnen mit einer Lockerung der EZB-Geldpolitik, die damit der FED folgen würde und zwar nicht Geld drucken lässt, aber Staatsanleihen aufkauft, was die Inflation begünstigt. EZB-Präsident Draghi musste sich viel Kritik anhören, auch aus Deutschland, er hält aber an seiner Stützungspolitik für schwache Staaten fest. Das schürt Inflationsängste im Euro-Raum und dürfte den Goldpreis treiben.

Die günstigsten Anlagen in Gold

In Gold kann auf die verschiedenste Art und Weise investiert werden, neben dem physischen Gold, also Barren und Münzen, entscheiden sich immer mehr Menschen für Goldzertifikate, Edelmetallfonds mit hohem Goldanteil (streckenweise eine Performance von dreihundert Prozent jährlich) und auch Minenaktien.

Dem Privatanleger empfehlen Experten bei einem Markt, der zum Sprung ansetzt, in puncto Gold die physische Anlage, bei dieser bevorzugt Münzen. Das hat seinen Grund: Gold kann exorbitant steigen, dann würden die Münzen wertvoller werden. Es kann lange auf dem gegenwärtigen Preisniveau verharren, dann hat man „nichts verkehrt“ gemacht. Wenn es jedoch wider Erwarten im Preis fällt, wird jeder Privatanleger den Kauf der schönen Goldmünzen am wenigsten bedauern. Diese können liegen bleiben, nötigenfalls über Generationen. Vielleicht haben sie in fünfzig Jahren einen handfesten numismatischen Wert.

Wer bei den aktuellen Kursen sein Altgold (Schmuck, Zahngold, Münzen) verkaufen möchte, der sollte sich zuvor im Internet den Gegenwert des Goldes ausrechnen (über einen Goldrechner) und dann mit dem angebotenen Preis des stationären Goldankäufers in der Innenstadt vergleichen. Üblicherweise behält der Goldankäufer eine Marge ein, damit das Geschäft für ihn lukrativ ist.

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